Das Jahr 2018 mit #KeinerBleibtAllein

Über 13 Monate intensivste Arbeiten mit Menschen die von sich selbst aus Hilfe für einsame Menschen zur Verfügung stellen wollten und natürlich die Arbeit mit den Menschen die Gesellschaft suchen, ergaben verschiedenste Erkenntnisse für unsere Projektarbeit mit sich. Daher jetzt in gekürzter Fassung was aus KeinerBleibtAllein werden wird und im Anschluss die Erläuterung dieser Schritte:

  • Unterjährig finden keine Vermittlungen mehr statt
  • KeinerBleibtAllein wird mit allen verknüpften sozialen  Netzwerken zu einem Präventionsnetzwerk gegen Einsamkeit und Alleinsein umgebaut. Wir werden dahingehend Hilfestellungen zur Verfügung stellen um von sich selbst aus, wieder Anschluss an die Gesellschaft finden zu können.
  • Zum Jahresende findet wie gewohnt eine Vermittlung zu den Festtagen und Silvester statt.
  • Die Kooperation mit der Facebookgruppe „Weihnachten nicht allein“ wird intensiviert und enger miteinander verzahnt.
  • Aufgrund der oben genannten Punkte wird eine Gründung einer Initiative anstelle eines eingetragenen Vereins anvisiert.

Keine Vermittlung mehr (unterjährig)

Kommen wir zunächst zu dem wohl markantesten Schritt im Zuge des strukturellen Umbaus der Plattform KeinerBleibtAllein: Die ausbleibende unterjährige Vermittlung. Wir haben bei unseren Gesprächen, Chats und Telefonaten mit mehreren tausend Teilnehmern festgestellt, es hat für keine Seite einen Mehrwert unter dem Jahr durch uns in Gesellschaft vermittelt zu werden. Sowohl die Bieter als auch die Sucher von Gesellschaft haben entweder keinerlei gemeinsamen Kontext. keine Kompromissbereitschaft oder sind einfach in bestimmten Regionen des deutschsprachigen Raums nicht vorhanden. Das mag zum einen daran liegen, dass zeitlich völligst unterschiedlich die Bedürfnisse auftreten Gesellschaft zu suchen, zum anderen aber auch daran mit einer völligst festgelegten Vorstellung an die Vermittlung heranzugehen. Für uns wäre der ideale Kandidat ja auch jener, der sich in völligst offen und frei von allen Vorurteilen auf andere Menschen zu geht und einfach da ist. Interessanterweise ist dies um die Weihnachtszeit und Silvester nahezu unproblematisch, während sich unterjährig verschiedenste Vorstellungen durch die Lebensentwürfe der Einzelnen ergeben. Dieses Verhalten ist menschlich und dadurch auch völlig nachvollziehbar, macht aber unsere Arbeit unter dem Jahr nahezu unmöglich. Was dagegen bisher sehr gut funktioniert hat, waren die eigeninitiativen Twitteraccounts, welche von sich selbst aus den Hashtag verwendeten und von uns retweetet wurden.

KeinerBleibtAllein als Einsamkeitspräventionsnetzwerk

Wir haben im Rahmen dessen aber auch festgestellt, dass die Gesellschaftsuchenden teilweise auch vergessen haben, wie sie denn wieder Anschluss an die Gesellschaft finden können. Gründe dafür können Gewohnheiten, psychologische oder physiologische Herausforderungen sein. Auf jeden Fall sind wir der Meinung, dass diese Menschen unterjährig mehr sinnvolle Hilfe finden können, wenn diese selbst Anleitungen zur Verfügung gestellt bekommen, wie diese bspw. in ihrer Stadt oder Gemeinde Anschluss und Gesellschaft finden können. Das geht los bei einfachen Parkbesuchen bis hin zu VHS Kursen, ehrenamtlicher Arbeit oder der gemeinsamen Arbeit in bspw. einem Repaircafé. Alles was in irgendeiner Form sinnvoll dafür sein kann, wieder aus sich herauskommen und auf andere Menschen zugehen zu können.

Vermittlung zu Weihnachten und Silvester 2019

Bewerbungen für die Festtage sowohl als Gastgeber als auch als Gast für 2019 werden ab dem 01.11.2019 unter Twitter, Facebook und Instagram angenommen. Im Rahmen dessen arbeiten wir auch mit der Facebookgruppe Weihnachten nicht allein zusammen um auch unter Facebook mehrere Möglichkeiten der Vermittlung zur Verfügung zu stellen.

Kooperation mit „Weihnachten nicht allein“

Aktuell hatten Heike Paulus, die Gründerin und Hauptverantwortliche der Gruppe, und meine Wenigkeit die Gelegenheit uns endlich auf der re:publica 19 persönlich kennenzulernen. Dies führte selbstverständlich zur Skizzierung der verbesserten Zusammenarbeit mit der Facebookgruppe und dem Projekt KeinerBleibtAllein. Die Gruppe wird in Zukunft noch näher verzahnt in die Facebookseite und strukturell ebenso wie KeinerBleibtAllein optimiert. Zusätzlich wurde die Entscheidung getroffen aufgrund des enormen administrativen und organisatorischen Aufwands Emails in der Vermittlung zukünftig nicht mehr zu berücksichtigen. Unter den knapp 26.000 Bewerbungen vergangenes Jahr kamen lediglich 10 Emails als Gastgesuche herein und führten aber aufgrund des erschwerten Kommunikationsweges zu erheblichen Aufwänden. Wir sind der Meinung, dass jetzt im Jahre 2019 man sich durchaus den sozialen Netzwerken anvertrauen kann und auch die Nutzerfreundlichkeit dort durchaus ebenfalls gegeben ist. Zusätzlich haben wir so die Möglichkeit ein besseres Verständnis über die jeweiligen Gesuche zu bekommen. Im weiteren Verlaufe dieses Textes findet sich auch am Ende ein Part mit Kritikpunkten, welche dort deklariert und für euch beantwortet werden.

KeinerBleibtAllein als Initiative

Die Notwendigkeit einen eher trägen Verein als Basis des Projektes zu verwalten und organisieren, besteht durch das ausbleiben der unterjährigen Vermittlung nicht mehr. Dadurch kam der Gedanke auf, auf die Vereinseintragung als solches zu verzichten und lieber eine schlanke Initiative zu verwenden. Diese wird über die nächsten Wochen und Monate etabliert. Informationen dahingehend werden noch folgen.

Kritik

Über die vergangenen Monate erhielten wir natürlich auch verschiedenstes Feedback. Hier möchte ich die Gelegenheit nutzen öffentlich auf die häufigsten gestellten Fragen und Kritikpunkte eingehen zu können.

  • Keine Antwort nach Nachricht: In seltenen Fällen kam es zu der Situation, dass uns jemand auf Facebook oder Twitter eine Nachricht schickte, mit den Angaben zu Stadt und der Information ob Gesellschaft gesucht oder geboten wird und von uns keinerlei Feedback in Form einer Nachricht bekam. Dies ist insofern uns alle Informationen vorliegen und wir keinen Gegenpart (also Gastgeber oder Gast) durchaus der Fall, weil ja von uns aus keinerlei Notwendigkeit bestand dann auf die Nachricht zu antworten, weil diese durch den Eingang in unseren Teilnehmerpool vorlag. Um jedoch in Zukunft besser auf die einzelnen Teilnehmer eingehen zu können, wird jede Nachricht mit einer entsprechenden Eingangsverarbeitungsmeldung angenommen.
  • Warum keine Emails, keine Senioren, keine Menschen ohne Computer (Obdachlose, Flüchtlinge etc.)? Zunächst: Sowohl das Projekt als auch die Facebookgruppe sind in den sozialen Netzwerken entstanden und mit entsprechender Reichweite versehen. Wir gehen davon aus, dass wir durch den Aspekt der Selbstorganisation der Teilnehmer während der Vermittlung, genügend Leute erreichen können. Ja, KeinerBleibtAllein sagt auch aus, dass eben niemand allein bleibt. Durch die Natur des Hashtags haben wir aber auch implizit darauf aufmerksam gemacht, dass dies ein komplett digitales Projekt ist, für jeden der in der Lage ist entweder einen Facebook, Twitter oder Instagramaccount zu führen. Ein anderer Aspekt ist die interne Handhabe mit handschriftlichen Mitteilungen oder Eingängen auf anderen Wegen bspw. via Email. Dort dauert die Verarbeitung einer Mitteilung aufgrund der Konvertierung in ein Twitter oder Facebookgerechtes Format und vice versa zu einem nicht unerheblichem individuellen Zusatzaufwand, der bei einem Eingang von zeitweise mehreren hundert Nachrichten innerhalb weniger Minuten nicht stemmbar ist.
  • Warum gibt es kaum Bilder oder Informationen bereits stattgefundener Treffen zwischen Teilnehmern? Dies liegt in der Natur der Einsamkeit und des Alleinseins. Die wenigsten jungen Menschen sind dazu bereit über ihre eigene individuelle Einsamkeitssituation in der Öffentlichkeit zu sprechen. Darum gab es auch bei der Berichterstattung über das Projekt nahezu kaum Teilnehmerstimmen, weil es den meisten unangenehm ist sich im Radio / Zeitung oder Fernsehen sich die Blöße zu geben und dann am Ende mit der Scham darüber leben zu müssen. Wir möchten diesen Umstand aber im Rahmen des Projektes gesellschaftlich ändern. Es ist völlig normal alleine zu sein und man braucht sich in jedem Alter auch nicht dafür zu schämen, weil es vielen Tausend vielleicht sogar Millionen Personen im deutsprachigen Raum ebenso geht. Also kann man auch offen damit umgehen und dadurch auch wieder für sich werben. Dieser Umstand wird uns als Gesellschaft dann auch wieder näher aneinander führen.

Danke für ein großartiges erstes Jahr

Allen voran möchten wir natürlich allen Teilnehmer und Usern danken, welche in der Vergangenheit aktiv an dem Projekt teilnahmen oder es durch Verbreitung unterstützten. Zusätzlich den Organisatoren der re:publica 18 und 19 bei denen wir jeweils den aktuellsten Stand des Projektes vorstellen konnten. Nicht zu vergessen sind sowohl die evangelische Kirche in Form der Unterstützung des Evangelischen Gemeinschaftswerks der evangelistischen Publizistik, die Telefonseelsorge und zahlreiche andere Partner welche uns bislang kräftig mitunterstützten. Die Achillesferse des Projektes ist wie schon die vergangene Zeit die Verbreitung. Wenn das Projekt nicht weiter bekannt ist, kommen auch weniger Teilnehmer zu einer erfolgreichen Vermittlung. Darum sind wir auch weiterhin jeder einzelnen Stimme die für uns spricht dankbar. Damit niemand alleine bleibt.