Aus Sicht des Projekts KeinerBleibtAllein hat das Jahr 2020 diverse Rekorde gebrochen. Erstmals war bspw. der Anteil von Gastgebenden zu Gesellschaftssuchenden vollständig invertiert. 82% der Teilnehmenden hatte Gesellschaft gesucht und nur 18% wollten sich als Gastgeber anbieten. In den Jahren 2019 und 2018 war dieser Wert vollständig umgekehrt. Es gab bislang immer viermal mehr Gastgeber als Suchende. Der Grund dafür ist jedoch auch sehr leicht nachvollziehbar: Corona, Infektionsgefahr und die Hygieneauflagen.

Und dabei wären wir schon mitten im Kern dessen, was sich für die Initiative und auch unsere Teilnehmer in diesem Jahr geändert hat. Wir sehen und sahen alles, als eine mögliche Herausforderung für die wir den einen oder anderen Lösungsansatz aufbereiten konnten. Dies erforderte sowohl von der Initiative als auch den Teilnehmern einen gewissen Pragmatismus und Adaptionsfähigkeit. Zusätzlich hatten wir es auch mit einem immer komplexer werdenden Entscheidungsbaum zu tun. Das ursprüngliche Ziel für das Jahr 2020 aus den Erfahrungen der Vorjahre, den Zugang zu erleichtern und die Defizite in der Medienkompetenz einiger Teilnehmer durch mediale Unterstützung auszugleichen, wurde von den immer stringenteren Coronaauflagen durch Bund und Länder untergraben. Eine interne Komplexität ergab sich auch aus den föderalistischen Ansätzen der Auslegungen der Coronaverordnungen. Um mit dem Projekt auf einer rechtlich sicheren Seite zu sein, konnte als Richtwert also immer nur die strengste Auslegung der Verordnung aller 294 Landkreise verwendet werden.

Zumindest bis zum 13. Dezember. Ab dann gab es Ausgangsbeschränkungen und somit auch die Konsequenz unserer Aufgabe der „realen“ Vermittlung. Das bis dahin etablierte Angebot der „digitalen“ Treffen wurde als Idee, sehr gerne angenommen. Jedoch fehlte da einfach die Erfahrung. Angefangen von der Koordination eines solchen Treffens, bis hin zu Inhalten und der Abstraktion des realen Treffens auf ein Kennenlernen via Webcam. Dadurch entstand wiederum eine erhöhte Unsicherheit und in Konsequenz dessen auch ein partieller „Vertrauensbruch“ mit einem nicht unerheblichen Teil der ursprünglichen Community rund um KeinerBleibtAllein.

Das Projekt war auf eine gewisse Art und Weise schon immer ein Politikum. Die Vielfalt der Teilnehmer nahm schon immer Stimmen aus verschiedensten politischen und gesellschaftlichen Strömungen in sich auf. In diesem besonderen Jahr kamen allerdings noch Querdenker und Auflagenverweigerer hinzu. Die Individualsituation der Teilnehmer führte oftmals zu Unverständnis für die angepassten Regularien des Projekts und in Konsequenz dessen, zu diversen Rechtsstreitigkeiten und vermeintlichen Schadensersatzansprüchen. Offenbar fühlte man sich individuell ausgegrenzt und angegriffen.

Nochmals zum allgemeinen Verständnis für das Projekt als solches: KeinerBleibtAllein ist eine ehrenamtliche Initiative, von engagierten Menschen, welche anderen aus der Einsamkeit und dem Alleinsein, wieder in die Gesellschaft verhelfen möchten. Für das Jahr 2020 waren das rund 3000 Arbeitsstunden in der Freizeit und ca. 3.500€ Investitionen. Theoretisch wären die Kosten dabei, bei nahezu Null. Aus der Erfahrung heraus, funktioniert für viele Menschen aber eine audiovisuelle Aufbereitung der Inhalte und Funktionsweisen des Projektes. Von daher wurden dafür aus eigenen Mitteln Inhalte erstellt um die Zugänglichkeit, die Viralität und den Bekanntheitsgrad des Projektes zu erhöhen.
Das Projekt ist eine Initiative von Menschen für Menschen. Jede Teilnahme erhöht die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Vermittlung. Verständlicherweise war die Bereitschaft zur Verbreitung des Aufrufs der Teilnahme gehemmt. Zum einen weil durch die Infektionsgefahren eine gewisse Unsicherheit herrschte, zum anderen weil Gemeinschaft erst wieder gelernt werden musste. 2020 war, wie für viele andere, einfach nicht unser Jahr. Aber wir haben bislang auch nichts verloren, außer ein bisschen Geld.

Die Herausforderungen für 2021 sind also Rechtssicherheit, Supervision und weiterhin die Optimierung des Vermittlungsprozesses und der Zugänglichkeit. Wir werden uns auch in Zukunft so gut es geht um jeden einzelnen Teilnehmer im Rahmen dessen, was wir tun können, kümmern. Manche unpopuläre Entscheidungen, wie bspw. den Vermittlungsabbruch zum 13. Dezember 2020, müssen durchgeführt werden um sowohl uns, als auch die Teilnehmer als Individuen zu schützen. Auch vermeintliche Verbesserungen oder Optimierungsansätze von außen, werden nur etabliert werden, wenn sie die Konzepte und Prozesse des Projektes auch wirklich sinnvoll ergänzen. Es geht dabei nie um Bevormundung, sondern um die Sicherheit und das Vertrauen in uns und auch andere Teilnehmer, damit das Projekt auch weiterhin bestehen kann. Damit niemand alleine bleibt.